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Film der Woche : Tinker, Tailor, Soldier, Spy
Der Spion, der aus dem Alltag kam
Superagenten und spektakuläre Actionszenen sucht man in John Le Carrés Spionageroman „Dame, König, As, Spion“ vergebens. Die Verfilmung hält sich weitgehend an die Vorlage und schildert die Effizienz einer grauen Bürokratie.
Anfang der 1970er Jahre - mitten im Kalten Krieg sieht sich Topspion George Smiley mit einem verzwickten und gefährlichen Auftrag konfrontiert. Der britische Geheimdienstchef, den alle nur unter dem Namen Control kennen, vermutet einen sowjetischen Doppelagenten in den eigenen Reihen und schickt den Agenten Jim Prideaux in geheimer Mission nach Budapest. Ein ungarischer General soll bereit sein, die Identität des Verräters zu enthüllen. Doch die Aktion schlägt fehl und Control wird entmachtet. Nur dessen rechte Hand George Smiley geht der Sache gemeinsam mit dem jungen Peter Guillam weiter nach und verfolgt den verräterischen Insider quer durch Osteuropa. Der Schlüssel scheint beim Agenten Ricki Tarr und dessen russischer Geliebten zu liegen, die die Identität des Maulwurfs kennt.
John Le Carrés Roman „Dame, König, As, Spion“ erschien 1974 und handelt von der Hochzeit des Ost-West-Konflikts. Mittlerweile ist der Kalte Krieg nur noch eine lauwarme Erinnerung, und seine Leinwand-Protagonisten wurden von den neuen Helden rettungslos abgehängt: Was sind schon James Bonds kleine Extras gegen die Ein-Mann-Armee Jason Bourne? In seiner brillanten Verfilmung des Romans tritt Tomas Alfredson, der mit „So finster die Nacht“ bereits dem Vampir-Genre erfolgreich allen Glanz austrieb, deswegen die Flucht nach hinten an: Er widersteht der naheliegenden Versuchung, die Geschichte zu modernisieren, und schwelgt stattdessen in scheinbar rettungslos veralteter Technik und der erstaunlichen Effizienz einer grauen Bürokratie. Wie das Buch ähnelt der zu Beginn der 1970er-Jahre spielende Film am ehesten dem taktischen Positionsspiel beim Schach. Es ist ein einziges Abwägen, Belauern und Fallen-Stellen; der Geduldigere hat das bessere Ende für sich.
In den letzten Jahren ist es im britischen Film- und Fernsehgeschäft üblich geworden, die eigene Nachkriegsdemokratie als Geisel einheimischer Geheimdienste und Geheimorganisationen zu beschreiben. In dieser Hinsicht nimmt sich „Tinker, Tailor, Soldier, Spy“ neben Filmen wie „Bank Job“ oder der Fernsehserie „The Hour“ erstaunlich zurückhaltend aus, und das, obwohl seine Geschichte auf dem Fall des KGB-Spions Kim Philby und dessen Gesinnungsgenossen aus dem erlauchten Kreis der Cambridge Five beruht. Alfredson setzt hier auf subtile Nadelstiche und zeigt lieber, wie das Spionagegeschäft das Privatleben der Spione prägt und nicht selten zerstört. Niemand darf sich eine Blöße geben, weshalb jeder jeden zu überwachen scheint; kein Wunder, dass Smileys London in etwa so viel zirzensische Lebensfreude ausstrahlt wie das leergefegte Budapest. C./fd
UTOPIA. Originalfassung (F, NL): Freitag bis Sonntag 16.45, 19.30, 22.00; Montag bis Donnerstag 16.30, 19.00, 21.30.
Spionagefilm (Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011). Regie: Tomas Alfredson. Drehbuch: Bridget O’Connor, Peter Straughan, nach dem gleichnamigen Roman von John Le Carré. Kamera: Hoyte van Hoytema. Musik: Alberto Iglesias. 127 Minuten. (Offiziell freigegeben ab 12)
Bewertung : 8
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