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Film der Woche : Albert Nobbs
Der Butler ist eine Frau
Fast drei Jahrzehnte, nachdem sie in der Bühnenfassung brillierte, verkörpert Glenn Close die Rolle einer Irin, die im 19. Jahrhundert ihren Mann zu stehen versucht. Dafür zählt sie nun zu den Oscar-Anwärterinnen.
Irland im 19. Jahrhundert: Eine Frau ohne Ehemann oder Familie und ohne Arbeit würde einem Leben in Armut und Einsamkeit entgegen sehen. Albert Nobbs, ein schüchterner Butler, der zurückgezogen lebt, verbirgt seit Jahren ein Geheimnis - Albert ist eine Frau, die Männerkleider tragen und sich wie ein Mann verhalten muss, um den Schicksal einer von allen verlassenen Frau zu entgehen. Als der attraktive Maler Hubert Page im Hotel, in dem „Albert“ arbeitet, eintrifft, wird sie dazu ermutigt, dem falschen Leben, das sie erschaffen hat, zu entfliehen. Sie nimmt ihre ganze Kraft zusammen, um dem schönen jungen Dienstmädchen Helen den Hof zu machen, von dem sie denkt, eine Seelenverwandte gefunden zu haben - aber Helen hat ein Auge auf einen neuen Gast geworfen: den hübschen Bad-Boy Joe.
„Albert Nobbs“ basiert auf einer Kurzgeschichte des irischen Schriftstellers George Moore, deren Bühnenfassung 1982 ihre Uraufführung erlebte. In dem Stück, das einen großen Erfolg hatte, spielte bereits Glenn Close die Titelrolle, und so wollte sie daraus unbedingt einen Film machen. Zunächst sollte Istvan Szabo die Regie übernehmen (er wird noch im Vorspann als Drehbuchautor genannt), doch das Projekt wurde wegen Finanzierungsproblemen auf Eis gelegt. Dem Einsatz von Glenn Close (als Produzent und, mit John Banville, Ko-Drehbuchautorin) ist es zu verdanken, dass die Filmfassung von „Albert Nobbs“ nach vielen Jahren schließlich doch das Tageslicht erblickte.
Wie dem Theaterstück hafte auch dem Film „etwas Bühnenhaftes an, das der für seine Frauenporträts bekannt gewordene Regisseur Rodrigo Garcia jedoch durch dezente, detailorientierte Erinnerungen an eine Periode der britischen Filmkultur auflockert, die sich in den 1940er-Jahren gerne historischen Stoffen widmete“, schreibt der „Filmdienst“. Die Hauptfigur – eine Paraderolle für Glenn Close (die dafür eine Oscar- und zuvor eine Golden-Globes-Nominierung erhielt) – sei „eine an der männlich beherrschten Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts verzweifelte Frau, die sich in einen Mann, Kellner in einem halbseidenen Hotel, verwandelt hat. „‚Albert Nobbs’ funktioniert vornehmlich als Exploration verletzter weiblicher Gefühle inmitten einer kaltherzigen Umgebung, die Garcia mit ebenso opulenten wie komischen Akzenten versieht. Etwas Chaplineskes haftet dieser Figur an, die sich ängstlich bemüht, sich den Konventionen der Zeit anzupassen, von denen sie sich gleichzeitig durch die Verwandlung zu befreien versucht“, so der „Filmdienst“.
UTOPIA.
Originalfassung (F, NL): Freitag bis Sonntag 14.00, 16.30, 19.30, 22.00; Montag bis Donnerstag 14.00, 16.15, 19.00, 21.30.
Drama (Großbritannien/Irland 2011). Regie: Rodrigo Garcia. Mit Glenn Close, Mia Wasikowska, Aaron Johnson, Bendan Gleeson, Janet McTeer, Jonathan Rhys Meyers. Drehbuch: Glenn Close, Gabriela Prekop, Istvan Szabo, nach einer Vorlage von George Moore. Kamera: Michael McDonough. Musik: Brian Byrne. 113 Minuten. (Offiziell freigegeben ab 12)
Bewertung : 8
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