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  Film der Woche : Anonymus
Der Mann, der Shakespeare war
War Shakespeare nicht Shakespeare? Dieser seit über hundert Jahren unter Experten diskutierte Frage geht ein deutsch-englisches Historienspektakel nach.

Die Frage beschäftigte bereits viele kluge Köpfe, von Mark Twain und Charles Dickens bis hin zu Henry James und Sigmund Freud: Wer war der Autor der Stücke, die William Shakespeare zugeschrieben werden? Zahlreiche Experten haben darüber diskutiert, Bücher wurden geschrieben und Gelehrte haben ihr ganzes Leben der Aufgabe gewidmet, die Theorien, die die Autorenschaft der berühmtesten Werke der englischen Literatur umgeben, zu bewahren oder zu zerstreuen.

Im Urheberstreit um Shakespeares Werke wurden in den letzten 150 Jahren von Christopher Marlowe bis Francis Drake Dutzende Kandidaten ins Spiel gebracht. Derzeit existiert nur noch ein heißer Kandidat: Edward de Vere, 17. Earl von Oxford. Er bringt offenbar alles mit, was dem in Stratford-upon-Avon geborenen William Shakespeare angeblich fehlte, nämlich eine universale Bildung, die intime Kenntnis der hohen Stände und die nötige Muße, um das gewaltige Werk zu Papier zu bringen.

„Anonymous“ stellt sich entschieden auf die Seite der „Oxfordianer“, die die Autorenschaft Edward de Veres verteidigen und strickt daraus ein Historiendrama vor einem Hintergrund politischer Intrigen, verbotener Romanzen am Hofe Königin Elisabeths I. und die Machenschaften habgieriger Aristokraten, die die Macht des Throns an sich reißen wollten. Dabei greifen die Drehbuchautoren zusätzlich auf die dramaturgisch ergiebige, so genannte Prinz-Tudor-Theorie zurück, nach der Edward de Vere nicht nur der Autor der berühmten Werke, sondern auch ein unehelicher Sohn von Königin Elizabeth sowie deren späterer Liebhaber war. Der „echte“ Shakespeare wird in dieser Darstellung zum tölpelhaften und opportunistischen Schauspieler herabgestuft.

Auf den ersten Blick erscheint es überraschend, dass Roland Emmerich – als Regisseur vor allem bekannt für Weltuntergangs-Blockbuster wie „Independence Day“ (1996), „The Day After Tomorrow“ (2004) oder „2012“ (2012, 2009) – sich als neues Filmprojekt ausgerechnet eine Geschichte aussuchen würde, die im elisabethanischen England spielt. Doch seit fast zehn Jahren habe er immer wieder versucht, einen Film zu machen, in dem die Frage nach der Urheberschaft Shakespeares als Kulisse dienen sollte, lässt die Produktionsfirma verlauten.

In der deutsch-britischen Produktion spielen unter der Regie von Roland Emmerich Stars wie Rhys Ifans, Vanessa Redgrave, Joely Richardson, David Thewlis, Xavier Samuel, Derek Jacobi – und in einer Nebenrolle die Luxemburgerin Vicky Krieps, die letztes Jahr bereits in dem internationalen Thriller „Hanna“ mitwirkte.


UTOPOLIS. Originalfassung (F, NL): Freitag 12.00, 19.00, 21.45; Samstag 19.00, 21.45, 24.00; Sonntag 19.00, 21.45; Montag bis Donnerstag 12.00, 19.00, 21.45.
Drama (Großbritannien/Deutschland 2011). Regie: Roland Emmerich. Mit Rhys Ifans, Vanessa Redgrave, Joely Richardson, David Thewlis, Xavier Samuel, Sebastian Armesto, Rafe Spall. Drehbuch: John Orloff. Kamera: Anna Foerster. Musik: Harald Kloser, Thomas Wander. 129 Minuten. (Offiziell freigegeben ab 12)

Bewertung : 7
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