"Mäh'n Äbte Heu? Äbte mäh'n nie Heu! Wenn Äbte mäh'n, mäh'n Äbte Gras!"
Wer erinnert sich nicht an diesen putzigen Zungenbrecher! Und er war ja
so voller Weisheit. Damit konnten auch kleine Klugscheißer Erwachsene
aufs Glatteis führen. Hahaha, gemähtes Gras wird erst zu Heu. Bis zum
Sommer 2010. Seither ist auch dieser Zungenbrecher nur noch Makulatur,
'n dummer Spruch halt, ohne ein Körnchen Wahrheit.
Was ist geschehen? Als ich ab und zu mal meine abgedunkelte, und
deshalb relativ kühle 28-Grad-Fernsehklause verlassen habe, um mich der
wirklichen Welt zu stellen, habe ich Kühe auf der braunen Wiese liegen
sehen, die Heu wiederkäuten, denn was anderes gab es da ja gar nicht zu
grasen (oder heißt es in diesem "worst case" schon heuen?).
Saftstrotzendes Gras war ungemäht auf dem Halm zu Heu verdorrt. Und um
die Wasserfässer fand auf den Weiden allenthalben Kuhparty statt,
obwohl sich auch das Wasser in den länglichen Metalltonnen so aufheizen
musste, dass man Eier darin hätte kochen können. Kühe mögen keine Eier.
Kühe mögen kühles Nass und kühles Grün.
Klar, in der Fernsehwerbung standen die glücklichen Rindviehcher nach
wie vor auf grünster Au - bis zum Euter im saftigen Futter. Aber die
Wirklichkeit war eine andere im vergangenen Sommer.
Ach ja, der Sommer. Der Sommer, der keiner war. Das haben wir sonst
immer von Sommern behauptet, die zu nass waren. Nun, diesmal war er zu
trocken. Auch nicht recht! Obwohl, hätte es in der richtig heißen Phase
mit den gefühlten 70-Grad-Temperaturen auch nur einen Regentag gegeben,
hätten sofort wieder etliche Mitlebende über "so einen verregneten
Sommer" gejammert.
Aber da wir die meisten Informationen eh nicht mehr aus eigener
Anschauung der Natur beziehen, sondern aus dem allgegenwärtigen TV, ist
das alles nicht so aufgefallen. Es erinnert ein bisschen an die
Reisesendungen im Fernsehen: Unberührte Strände, traumhafte
Meerblickzimmer, den Gaumen umschmeichelnde Köstlichkeiten und
Sonnenuntergänge, die jeden Abend von Hand neu angemalt werden. Und?
Was ist, wenn Sie dort ankommen? Überfüllte Strände, Baukräne zwischen
Meer und Ihnen und Ihr Gaumen fühlt sich veräppelt.
Ich übertreibe maßlos? Ja, klar, natürlich übertreibe ich! Aber das habe ich ja beim Fernsehen gelernt.
"Klar, in der Fernsehwerbung standen die glücklichen Rindviehcher nach
wie vor auf grünster Au - bis zum Euter im saftigen Futter"