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Die Kolumne rund ums Fernsehen


"Super Nanny est morte"...
...oder: Adieu, Fräulein Rottenmeier



Wer kennt nicht Heidi? Ende des 19. Jahrhunderts der Phantasie der Schweizer Schriftstellerin Johanna Spyri entsprungen, ist das kleine Mädchen von der Alm seit über 100 Jahren weltbekannt. Die putzige Kleine wird hin und her gezerrt zwischen dem bodenständigen Alpöhi, ihrem eigenbrötlerischen Großvater, und der stadtorientierten Tante Dete, die Heidi als Spielkameradin für die gelähmten Tochter ihrer Herrschaft nach Frankfurt entführt. Das nagende Heimweh wächst, weil die gestrenge Erzieherin das Naturkind Heidi in eine großstädtische Schablone pressen möchte.

Dieses Frl. Rottenmeier kam mir in den Sinn, als ich auf M6 die französische Ausgabe der Super Nanny sah. Wer nur die milde Katharina Saalfrank kennt, kann sich nicht meinen kleinen Kulturschock vorstellen. Der deutschen wie der französischen Ausgabe ist gemein, dass sich die Nannys die Eltern vorknöpfen, denn wenn die Kinder aus dem Ruder geraten, ist meistens in der Familienführung vorher etliches aus demselben gelaufen.

Steht die deutsche Ausgabe der Wundererzieherin schon allein deshalb im Kreuzfeuer der Kritik, weil so getan wird, als könne man gravierende Erziehungsfehler innerhalb von Tagen ausbügeln, hatten wir es in Frankreich mit einer Dame zu tun, die mit natürlicher Autorität und beinhartem Konservatismus auch widerspenstigste Familien zum Nachdenken bringen konnte.

Seien wir ehrlich, der Erfolg solcher Schlüssellochformate basiert auf unserer Lust, mal hinter die Mauern anderer Häuser blicken zu können, um anschließend festzustellen: Na, dagegen ist es bei uns ja gold! Hey, wollen wir es Pharisäer-TV nennen?

Nun hatte ich über die Brachialpädagogin eine Kolumne geschrieben, die auch ihren Feldwebelcharme nicht unerwähnt ließ, als die Nachricht in die Redaktion platzte: Cathy Saraï ist tot. Und ich erfahre im Nachhinein, mit welcher Tapferkeit sich die "Super Nanny" bis zuletzt gegen ihren Lungenkrebs gestemmt hat. Selbstmitleid? Fehlanzeige!

In der Heidi-Geschichte gelingt es dem Naturkind, der Rottenmeierschen Fuchtel in die vordergründig heile Bergwelt zu entkommen. Was wohl aus den Kindern in den französischen TV-Problemfamilien wird, jetzt, wo die Super Nanny gegangen ist? Wer wird jetzt den Fokus des Interesses auf unterprivilegierte Kinder richten?

Merci, Super Nanny, merci, Cathy Saraï. Heute bietet sich keine Schlusspointe an. Die hat sich das Schicksal diesmal selbst vorbehalten.






„Hey, wollen wir es Pharisäer-TV nennen?“

metty.krings@telecran.lu






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