Wieso eigentlich gelingen bitterbösen Autoren oft die einfühlsamsten
Geschichten für Kinder? Wieso konnte sich Roald Dahl, Autor makabrer
Storys, "Charlie und die Schokoladenfabrik" einfallen lassen?
Vermutlich, weil Menschen wie er, Tommy Ungerer oder Roland Topor, als
Kind beide Seiten des Lebens kennengelernt haben: die Neugier aufs
Leben und die Angst vor dem Unbekannten. In ihrem Hauptschaffen spielen
sie mit dem Grauen, in ihren Kindergeschichten nehmen sie das Kind, das
sie selbst einmal waren, in den Arm. Aber sie verhätscheln dieses Kind
nicht, sondern härten es behutsam gegen die dunkle Seite unserer
Existenz ab.
Warum gelingen bitterbösen Karikaturisten dann auch noch die besten
Kindersendungen? Weil sie um die Befindlichkeiten eines Kindes
vielleicht besser Bescheid wissen als viele Streichelpädagogen. Ein
Jammer, dass Roland Topor so früh verstorben ist, ich würde mir
wünschen, er könnte noch heute seine Kindersendung "Téléchat" von der
Leine lassen - diese, im Gegensatz zur kreuzbraven "Sendung mit der
Maus", anarchische Parodie auf das Erwachsenenfernsehen.
Co-Moderatorin der Gipsarm-Katze ist eine eitle Straußendame, Lola, die
ihrem Dekolleté mehr Aufmerksamkeit zukommen lässt, als ihrer
Moderation. Geniale Einfälle, wie das Telefon mit dem sprechenden
Gesicht an Stelle der Sprechmuschel, sind auch nach gefühlten 100
Jahren seit dem Start der Serie im Jahr 1983 noch frisch-frech wie am
ersten Tag.
Ironie im Kinderfernsehen? Hoppla, da muss jemand aber Vertrauen in die
hellen Köpfchen haben! Gemeinhin gilt doch: Kinder nicht überfordern.
Doch, überfordert sie und Ihr werdet sehen, was in ihnen steckt. Die
Werbung z.B. wird so durch den Kakao gezogen, dass es die
Werbeindustrie schwer haben könnte, den Téléchat - gestählten Kindern
ein X für ein U vorzumachen. Da soll z.B. ein tölpelhafter grüner Affe
eine Superarmbanduhr anpreisen. Als er sein Handgelenk dreht, um auf
das Wunderding zu schauen, verschüttet er dabei sein Heißgetränk…
auaaaaaaa!
Albern? Na klar, albern, aber wirksamer im Kampf gegen die
Verführbarkeit durch Werbung als viele gut gemeinte pädagogische
Vorträge. Das "Du sollst nicht!" wird durch Gelächter ersetzt. Und wo
gelacht wird, wird weniger ernst genommen. Das gilt nicht nur für die
Werbung.
Alles für die Katz? Gern, lasst die Fernsehkatz auferstehen.
"Ironie im Kinderfernsehen? Hoppla, da muss jemand aber Vertrauen in die hellen Köpfchen haben!"