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Der Olympia-Blog: 24. Februar 2010


Blaues Blech

Meine Kollegin am Monitor kneift die Augen zusammen und überprüft konzentriert den Inhalt einer unauffälligen kleinen Tasche. Sie braucht ein bisschen länger als gewöhnlich, dann kommt das eindeutige Signal: „Search!“

Los gehts. Handschuhe hochziehen, Taschenlampe an und nach potentiellen scharfen Gegenständen fragen. Die Taschenbesitzerin nickt entgegenkommend und deutet auf eine durchsichtige Tüte. Vorsichtig ziehe ich sie unter den anderen Gegenständen hervor und halte sie ins Licht. Treffer! Scharf ist gar kein Ausdruck für das, was mir blinkend ins Auge springt. Hundertfache Nadeln, geschützt lediglich von einem kleinen silbernen Aufsatz.

Die Augen meiner Kollegin beginnen zu leuchten. Tatsächlich, ein ganzer Beutel voller Pins. Niegelnagelneu!

Für alle Nichteingeweihten: Es handelt sich um den beliebtesten Tauschgegenstand der Olympischen Spiele. Wohin das Auge auch schweift, Pinsammler tragen ihre neuesten Errungenschaften stolz zur Schau. Auf Basecaps, Taschen, Jackenkragen und Schlüsselbändern sammeln sich die kleinen Blechscheiben mit nur einem Ziel: Aufmerksamkeit! Das Interesse anderer Tauschsüchtiger soll geweckt werden.

Und wie sollte es anders sein, wieder einmal ist eine Gruppe am erfolgreichsten. Ja, genau! Es handelt sich um die Mitarbeiter in den blauen Jacken, mittlerweile nur noch liebevoll „Smurfs“ („Schlümpfe“) genannt. Die Smurfs werden geradezu mit Pins überschüttet und protzen wo sie nur können. Gerade gestern Nacht war es wieder soweit. Ich bitte den Träger einer blauen Jacke, seinen gesamten Tascheninhalt in die vor ihm stehende Schale zu legen. Zum Vorschein kommen drei gefüllte Beutel und zahlreiche Einzelstücke in den schönsten Formen und Farben. Das Problem: es ist uns Sicherheitsmitarbeitern strengstens untersagt, nach dem kunstvoll verzierten Blech zu fragen. Das heißt nicht, dass wir keine Geschenke entgegen nehmen dürfen. Nein! Sie müssen uns nur angeboten werden.

Der Blaumann mit den vollen Taschen denkt nicht daran. Im Gegenteil: er scheint jedes einzelne Glanzstück bewusst langsam hervor zu kramen, nur um sein gesamtes Gut am Ende wieder sorgfältig und noch einen Tuck langsamer wieder verstauen zu können. Smurf!

Aber nicht alle sind so. Die Frau mit der zu Beginn erwähnten Tasche hat ein Einsehen. Trotz blauer Jacke. Freundlich bietet sie uns zwei Exemplare aus ihrer Tüte an und Sekunden später strahlt meine Kollegin übers ganze Gesicht. So wenig kann so glücklich machen! Danke liebe Smurfs!







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