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Der Olympia-Blog: 20. Februar 2010


Hinter Gittern

Die Mauer, ähm … Entschuldigung, der Zaun muss weg! Davon kann ich mich an meinem freien Tag selbst überzeugen.

Um die internationale Dauerparty nicht ganz an mir vorbei rauschen zu lassen, begebe ich mich direkt in die beliebteste Vergnügungszone: nach Downtown Vancouver. Es ist unglaublich, wie viele Menschen sich hier jeden Tag aneinander vorbei schieben, immer auf der Suche nach dem ultimativen Kick und dem besten Schnappschuss. Das momentan heißeste Motiv findet man direkt am Wasser. Die Olympische Flamme sollte näher zu den Menschen (vor allem den Journalisten) kommen und wurde deshalb wenige Meter neben dem IBC (International Broadcast Centre) platziert.

Schon aus der Ferne höre ich Megafonstimmen, die herum irrenden Menschen die genaue Richtung verkünden. Eine weitere schöne Aufgabe für die freiwilligen Helfer in Blau, die heute auf Hochsitzen thronen dürfen. Die Menge zeigt geduldige Begeisterung und bewegt sich langsam aber zielstrebig auf das Olympische Feuer zu. Und dann das!

Der Weg ist versperrt, die Flamme in greifbarer Nähe und doch unerreichbar. Ein unüberwindbarer Zaun soll Sicherheit gewährleisten. Und für wen? Was fürchten die Verantwortlichen? Dass sich eine Horde wild gewordener Touristen die silberne Konstruktion hinauf hangelt und das Symbol der Stunde einfach ausgepustet wird?

Wohl kaum. Es geht in erster Linie um den Schutz von Menschenleben. Und die sitzen nun mal im IBC. Zu blöd, dass die Flamme auch genau hier stehen muss. Der Vater neben mir hätte so gerne ein Foto von seinem Sohn  und dem nur wenige Tage brennenden Feuer gemacht. Doch jeder Versuch ist zum Scheitern verurteilt. Irgendwie drängen sich immer die Gitterstäbe mit ins Bild.
Eine eingesperrte Flamme und ausgesperrten Besucher: so eine Situation provoziert natürlich Ärger. Der wurde schließlich dermaßen laut vorgetragen, dass die Zuständigen nach einer ansprechenderen Lösung suchen mussten. Das Ergebnis: seit gestern gibt es eine neue Aussichtsplattform und eine Art Guckloch im Zaun. Super! Fotos ohne Balken, zumindest aus der Ferne. Das Motiv einfach ein bisschen näher heranzoomen und die Illusion ist perfekt.
So perfekt, dass auch die flammenden Rufe nach Freiheit verstummen? Der endgültige Ausgang bleibt abzuwarten. 
Vanessa Penna








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