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Der Olympia-Blog: 16. Februar 2010


Das geheimnisvolle Leuchten

Gestern habe ich Captain Canada getroffen. Leuchtend und groß entstieg er dem Skytrain und bahnte sich und seiner Begleiterin einen Weg durch die wartende Menschenmasse. Ein Superheld im öffentlichen Nahverkehr, der alle Blicke auf sich zieht.

Das Besondere: Captain Canada* ist kein dunkelhaariger Jüngling im hautengen Dress. Der weißhaarige Mann, der mir entgegen kommt ist um die 70 und somit in seinen besten Jahren. Seinen frisch gebügelten Olympia-Frack trägt er mit Stolz und sein lässiger Schritt bestätigt eine frühere Beobachtung: Auch im Alter sind die Menschen in Vancouver jünger als anderswo.
Woran das liegt kann ich nicht sagen, nur vermuten.

Da wäre zu Beginn Faktor 1: Die gesunde Ernährung. Bananen, Sojamilch und Spinat werden möglichst frisch und mit dem richtigen Siegel verzehrt. Bio muss drauf stehen, etwas anderes kommt nicht in die Tüte. Fleisch? Ach was, schon lange nicht mehr!

Faktor 2: Die Hippie-Kultur. Es ist kein Zufall, dass Greenpeace hier an der kanadischen Westküste gegründet wurde. Der alternative Widerstand hat Tradition und ist bis heute nicht verschwunden. Interessanter Nebeneffekt. Joga und spirituelle Erleuchtung stehen hoch im Kurs.

Faktor 3: Die Naturverbundenheit. Nichts kann die abgehärteten Frischluftliebhaber davon abhalten, ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung nachzugehen: dem Sport im Freien. Outdoor activities füllen jede freie Minute und für eine Wanderung im strömenden Regen verzichtet man gerne auf eine durchfeierte Nacht.

Und nicht zu vergessen, Faktor 4: Die gelassene Offenheit. Dem Fremden begegnet man hier mit Neugier statt mit Angst. Freundlichkeit gehört zum guten Ton und „sorry“ sagen viele sogar dann, wenn sie von der Seite angerempelt werden.

Reicht das allein aus, um dem natürlichen Alterungsprozess Einhalt zu gebieten? Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Fest steht für mich nur eines:
„You look great“, sage ich im Vorbeigehen zu Captain Canada, der eigentlich Captain Vancouver heißen müsste.

„Thank you“, antwortet der Angesprochene freundlich lächelnd. Und irgendwie ist klar: Sport und Spinat sind es nicht allein. Das Leuchten kommt von innen nicht von außen.
Vanessa Penna


*Der Name ist in roten Buchstaben auf seinen Frack gestickt.







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