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Der Olympia-Blog: 12. Februar 2010


Familienglück

Ich habe es geschafft.
Gut isoliert und mit erhöhter Körpertemperatur bin ich pünktlich zur Nachtschicht erschienen. Trotzdem gibt es noch Verbesserungsbedarf. Und der betrifft die Geschwindigkeit, mit der ich ein Bein vor das andere setze. Wie oft habe ich mich schon gefragt, warum alle Sicherheits-Kollegen, die ich auf der Straße treffe, den gleichen lässigen Schleichschritt praktizieren? Heute bin ich schlauer. Eine entschleunigte Gangart ist wirklich die einzige Möglichkeit nicht völlig nass geschwitzt bei der Arbeit zu erscheinen. Gut zu wissen.

Ansonsten verspüre ich gerade überproportional häufig einen Grüßreflex. Wohin man auch blickt: überall Langsamgeher mit schwarzen Skihosen (Security) oder Blaujacken mit passender Mütze (alle von VANOC, dem Olympischen Organisationskommittee der Stadt, ausgestattet). Eine große Familie mit vielen lustigen Mitgliedern. Wie schön!

Der Drang irgendwie dazu zu gehören macht vor niemandem halt. Nur so lässt sich der Anblick erklären, der sich mir vor zwei Tagen  im Bus bot. Fünf chinesische Touristen (sonst eigentlich eher zurückhaltend) die jedem Fahrgast stolz ihre Brust entgegenstrecken. Auf der steht in großen weißen Buchstaben eine Art Glaubensbekenntnis: „CANADA“. Alle tragen den gleichen roten 50 Dollar Pulli, der schon seit Monaten zu den Top 5 der bestverkauften Olympia-Artikel gehört. Und das ist nicht alles.

Besonders eine Berufsgruppe scheint sich dem wettkampfartigen Kaufrausch momentan ungezügelt hinzugeben: Polizisten. Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr ich Schockierendes. Eine ganze Horde ausgelassener Gesetzeshüter stürmte diese Woche einen Olympia-Shop im Olympischen Dorf. Etwa 30 Minuten und viele Kreditkarteneinsätze später (berichtete meine vertrauenswürdige Quelle) war der Laden leer gekauft. Sollen die Athleten doch sehen, woher sie ihre Souvenirs und T-Shirts bekommen. Wer zuerst kommt mahlt zuerst.

Dann mein erster Arbeitstag. Es ist kalt und den wachsamen Augen der RCMP (Royal Canadian Mountain Police) entgeht nichts. Einigen Vertretern dieser Berufsgruppe möchte man lieber nicht im Dunkeln begegnen (geht in diesem Fall aber nicht anders). Harte Blicke, kernige Sprüche und in die Stirn gezogene Mützen. Abgehärtet bis zum Letzten trotzen sie der Müdigkeit und der morgendlichen Kälte. Die Hände in den Jackentaschen verrät uns eine Polizistin ihr Geheimnis. Sie hebt die Hände und blendet uns mit einem leuchtenden rot. Doch STOP: hatte ich eigentlich die Top 1 der bestverkauften Olympia-Artikel erwähnt?

Richtig!  Es handelt sich um knallrote Wollhandschuhe. Das optische Highlight: ein weißes Ahornblatt auf den Handinnenflächen. Stolz und mit strahlenden Augen präsentiert die Polizistin uns ihre Fäustlinge und erinnert mich dabei ein bisschen an die fünf Chinesen im Bus. Sie alle gehören dazu. Die olympische Merchandise-Familie ist startklar. Jetzt kann es losgehen!   

Vanessa Penna







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