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Der Olympia-Blog: 11. Februar 2010


Über Jobs, Uniformen und die Ruhe vor dem Sturm

So, das war er also. Der wahrscheinlich letzte Tag in den nächsten drei Wochen mit ausreichend Schlaf. Seit fast drei Monaten lebe ich in Vancouver, und von Anfang an war klar: ein Job bei den Olympischen Spielen könnte interessant sein!
Doch von vorne. Wer in Kanada Arbeit, eine Wohnung oder einen Koreanischlehrer sucht, der schaut nicht als erstes in die Zeitung, nein, der wendet sich an Craig und seine Liste. Craigslist bietet im Internet einen Riesenfundus an Waren und Dienstleistungen. Jeder kann mitmachen, nach einer Nanny und gebrauchten Skihandschuhen suchen oder selbst Jogastunden mit grünem Tee und Kerzenschein anbieten.

Unter all diesen schmackhaften Optionen tummelten sich (und tummeln sich bis heute) gut klingende und viel versprechende Verdienstmöglichkeiten bei den Olympischen Spielen. Und ich werfe gerne die Frage in die Runde: Wer wollte nicht schon immer einmal im Waste Management zu Ruhm und Ehre gelangen? Gut, in Ordnung. Ein freundlicher Nutzer wies gerade noch rechtzeitig auf die schlechten Arbeitsbedingungen in der betreffenden Firma hin. Die hatten nichts mit dem Müll aber viel mit der Ausnutzung der Mitarbeiter zu tun. Und schon, klick, geht es für mich weiter, klick, durch große Versprechungen mit vielen Ausrufezeichen, klick.

Um es kurz zu machen: ich gehöre jetzt zur Security. Nein, bitte keine falschen Vorstellungen. Ich habe kein breites Kreuz, trage meine Sonnenbrille nicht bevorzugt nachts und würde mich auch unter keinen Umständen zwischen eine Kugel und Whitney Houston werfen (wie Kevin Costner es ja formschön getan hat). Meine 5000 Kollegen und ich sollen auch nicht abschrecken, sondern einladen: „Hello/Bonjour! Enjoy the Games!“. Ja, eine wichtige Aufgabe. Sollten wir bei der Gelegenheit auch noch das eine oder andere Schweizer Taschenmesser finden: umso besser!

Trotz aller Freundlichkeit und Ruhe bedarf es natürlich auch einer gewissen Autorität. Und die verschafft uns unsere Angst einflößende Uniform. Zugegeben. richtig rennen können wir mit unseren Winterboots nicht, aber die sind ja auch in erster Linie zum Stehen da. Bis -35° Celsius (entnehme ich einem kleinen Anhänger) sollen die Füße darin angenehm warm bleiben. Schade, dass ich die Kräfte dieser Wunderwärmer erst einmal nicht ausreizen kann. Der Schnee lässt sich bei einer Durchschnittstemperatur von 8° einfach nicht blicken. Stattdessen sprießen in einem Vorgarten bei mir um die Ecke bereits die ersten Frühlingsblumen.

Die Olympischen Spiele werden trotzdem statt finden. Und wenn die Veranstalter einen grünen Hügel in eine Winterwunderlandschaft verwandeln können, werde ich ja wohl in isolierten Skihosen  über riesige Regenpfützen springen können. Der Wille ist da und die Motivation hoch. Also schalten Sie auch morgen wieder ein …
Vanessa Penna





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