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Die Kolumne rund ums Fernsehen


Schnee... äh... Sprachgestoiber

Es gibt Politiker, die es schaffen, ohne Doktorspielchen oder Eigenheimkreditchen in aller Munde zu sein. Das Talent, Reden zu zerreden, genügt völlig. Quizfrage: Was ist von Heinrich Lübke, dem zweiten deutschen Bundespräsidenten, geblieben? Seine rhetorischen Höhenflüge. Zur Eröffnung der BUGA 1965 in Essen drechselte er:

„Es ist fast, als wenn das ver.., das äh, das verlorene Paradies zurückgekommen wäre. Wenn man dazu die Musik hat, dieses Orchester, städtische Orchester, dem ich bei dieser Gelegenheit ein herzliches Dankes- und Anerkennungswort sagen möchte, die hier im Grünen sitzen – wie in einem Paradiese, in dem in jedem Moment, der äh ... – komm ich nich‘ auf den Namen des Zwer.., des Gottes, der äh ... – in dem jeden Moment der ... na! Steht ja doch: die Ouvertüre zur? (Publikum: Oberon!) – Oberon, der Oberon in jedem Moment erscheinen kann... Wir wollen uns freuen, an diesem Tage hier gewesen zu sein, wo wir, wenn das Wetter nich‘ ganz ausreicht, die Gartenschau im Saale miterleben.“ Freiherrlichkeiten oder Urlaub bei reichen „Freunden“ konnten ihm aber nicht nachgesagt werden.

Ein würdiger Bruder im Geiste erwuchs Heinrich Lübke im Bayernkönig i. R., Edmund Stoiber, den sein Transrapid-Redeknäuel unsterblich machte: „Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München... mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen... am... am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug. Zehn Minuten...“ usw. Ist das nicht Rhetorik vom Feinsten? Und wir freuen uns scheckig, wenn Alpha(bet)männchen einen Krieg verlieren. Und sei es nur gegen die Sprache. Peinlich? Ach was!

Kommt uns doch Edmund Stoiber jetzt sogar selbstironisch. Er verhohnepiepelt sich selbst. So geschehen in einem Stromberg-Spot zur Ernennung des ProSieben-Chefs zum Medienmann des Jahres. Da zieht Edmund Stoiber doch tatsächlich seine eigene Transrapidrede durch den Hauptbahnhof – äh – Kaffee – äh – Kakao.

Was lernen wir daraus? Politiker, die sich selbst auf den Arm nehmen, können wir leichter wieder in die Arme schließen. Oder so: Besser Sprachverwirrungen als adelige Doktorspielchen und bundespräsidiale Upgrade-Nümmerchen.

Stammeln ist sympathisch. Lügen nicht.

















„...der äh ... – komm ich nich‘ auf den Namen des Zwer.., des Gottes, der äh ... - in dem jeden Moment der ... na!“





metty.krings@telecran.lu







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