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Die Kolumne rund ums Fernsehen


Straßendschungelcamp

Vom Millionär zum Tellerwäscher“. Die ARD macht neugierig, weil der Spruch ja gewöhnlich andersrum funktioniert. Es geht um Schicksale von Leuten, die mal ganz oben waren und jetzt am Existenzminimum herumkrebsen. Aufgehängt ist die Story am einstigen Trio-Schlagzeuger Peter Behrens, dem vom Ruhm nur Probleme geblieben sind. Ein Monsterhit zu Beginn der Achtzigerjahre: „Da da da“, und Peter war der stoisch glotzende Schlagzeuger, der so tun musste, als sei er der Clown. Nur – leider hat er den Song nicht geschrieben, sondern Stefan Remmler, dem auch die Tantiemen noch immer reichlich zufließen, während dem einstigen Trommler längst alle Trommelfelle weggeschwommen sind.

„Sic transit gloria mundi“ klingt auf Latein elegant, ist aber nicht besser als: Gestern noch auf hohen Rossen, heut‘ tief drunten in der Gossen. Ich mag mich nicht am Elend anderer weiden, auch wenn sie mal auf arrogant gemacht haben, wie Peter Behrens damals, als er 1983 bei uns im RTLplus-Studio in Bartringen war.

Umschalten. Was zeigt zeitgleich das ZDF: „Reich und obdachlos“. Dasselbe in Grün. Nur wieder andersrum. Hier gehen Leute aus gesicherten Verhältnissen, zum Beispiel ein Arzt und eine Managerin, probeweise für neun Tage mittellos auf die Straße. Parkbank, stinkende Gemeinschaftsschlafsäle, eklige Waschräume: Herausforderung pur. Dass sie plötzlich die Welt von ganz unten sehen, dort aber auch Zuneigung und Hilfsbereitschaft finden, ist faszinierend, anzuschauen.

Da frage ich mich, warum ARD und ZDF daraus nicht das Gegendschungelcamp machen. Muttersöhnchen, die vom Geld ihrer Eltern leben, gehen auf Zeit mal in ein Milieu, das für sie die Hölle sein muss – eine Hölle, in der viele Menschen ständig leben müssen. Deren Geschichten sind spannender als mancher 08/15-Krimi, und beim Zuschauen lernt man sogar noch etwas. Statt purer Schadenfreude über Dschungelcamp-Gnu-Hoden-Menüs, bekommt man Respekt davor, mit welcher Würde manche ihr (jaja, zum Teil selbstverschuldetes) Schicksal in würdeloser Umgebung tragen.

Dafür gibt es zur besten Sendezeit kein Publikum? Na, dann eben im dritten Programm auf den hinteren Plätzen. Da wären die in Deutschland üblichen Gebührengelder mal sinnvoll angelegt, statt die Privaten immer öfter im Flachsinn noch übertrumpfen zu wollen.

















Gestern noch auf hohen Rossen, heut‘ tief drunten in der Gossen.





metty.krings@telecran.lu







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