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Die Kolumne rund ums Fernsehen


Alter Schwede, junge Krimis

1648, am Ende des Dreißigjährigen Krieges, war der Ruf der Schweden in Mitteleuropa, um es höflich auszudrücken, ziemlich ramponiert. Was man heute als neue Foltermethode zynisch verharmlosend „Waterboarding“ nennt, war damals der „Schwedentrunk“. Aber erstaunlicher Weise wurden nach Ende des Krieges ausgemusterte schwedische Soldaten vom Großen Kurfürsten angeworben, um ihren Feinden von gestern Drill beizubringen. Diese Drillmeister hießen im Volksmund „alte Schweden“.

Bis heute ist auch Schwedenstahl ein Begriff. Aber seit Neustem prangt das Siegel „Schweden“ vor allem auf einer ganz neuen Spezies von Krimis. Mankells Wallander ist längst nicht mehr allein auf weiter Flur. Die Krimibegeisterung für nordische Mörderstorys gipfelt sogar in der Vermutung, Schwedenkrimis hätten die Western abgelöst.

Bevor ich mich der Dame zuwende, die ich auf dem Bildschirm mindestens so gerne werkeln sehe wie Frau Furtwängler, noch was Grundsätzliches. Sind wir nicht alle in tiefster Seele ein ganz klein wenig voyeuristisch? Geht es im Krimi auch vordergründig um den Kampf des Guten mit dem Bösen, wollen wir ja doch, wie einst im Western, am Schluss den Bösen ein bisschen baumeln sehen. Oder ihn wenigstens dauerhaft hinter „schwedischen“ Gardinen wissen.

Ja, und dann sehe ich Maria Wern, Kripo Gotland. Und alles ist anders. In der Folge „Schwarze Schmetterlinge“ hat mich verblüfft, wie sehr das holzschnittartige Schwarzweiß üblicher Mörderstorys aufgebrochen werden kann. Das geht so weit, dass die Grenze zwischen Aggressor und Opfer fließend wird. Anders gesagt: Stellen Sie sich vor, sie sehen einen Krimi – und am Schluss haben Sie für den Täter ein gewisses Restverständnis. Das macht ihn nicht zum Unschuldslamm und entschuldigt schon gar nichts. Aber – und das habe ich mit Erstaunen registriert – es belässt dem Täter eine Art Restwürde.

Denn, zu akzeptieren, dass die Würde des Menschen, auch die des Unholds, unantastbar sein soll, fällt bisweilen verdammt schwer. Mir jedenfalls. Aber ich akzeptiere es zähneknirschend. Denn die Alternative hieße: Rückfall in die Barbarei.
















Das geht so weit, dass die Grenze zwischen Aggressor und Opfer fließend wird.



metty.krings@telecran.lu







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