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Film criminel und Film Noir


Detektive und Verbrecher

Mit dem Kriminalfilm beginnt auch, nach einer allgemeinen Einführung am 24. Oktober, die zehnteilige Einführung in die Filmgenres, zu der die hauptstädtische Cinémathèque und die Universität Luxemburg 2011/12 einladen. Das Konzept ist das gleiche wie bei der Vortragsreihe „L’histoire du cinéma en 10 leçons“, die 2010/11 angeboten wurde: ein mit Filmausschnitten untermalter Vortrag eines renommierten Filmwissenschaftlers, gefolgt von einem Spielfilm-Klassiker, der das Thema illustriert, und weiteren Filmen an anderen Tagen. Zum Schluss des Zyklus winkt sogar ein Diplom mit dem augenzwinkernd zu verstehenden Titel eines „Docteur ès cinéphilie“

 „Le film criminel“ lautet das Thema also am 31. Oktober. Die Bezeichnung umfasst eigentlich mehrere Genres und Subgenres. Zum Beispiel den Gangsterfilm, der im frühen Tonfilm anfangs der 1930er-Jahre eine erste Blüte erlebte. Die Prohibition hatte damals Gangsterbosse wie Al Capone hervorgebracht, die ihr Pendant in Leinwand-Figuren wie „Little Casear“ oder „Scarface“ fanden. 
Die Handlung erzählte von ihrem Aufstieg, der unweigerlich zum Niedergang und tragischen Ende führte. Gangster als Identifikationsfiguren prägen auch das Subgenre der „caper movies“, in denen die Planung eines großen Coups im Mittelpunkt steht, wie etwa in den „Oceans“-Filmen. Epische Dimensionen nimmt das Leben der Gesetzlosen in Filmen wie der „Godfather“-Trilogie oder Sergio Leones „One Upon A Time In America“ an.


Weniger interessant schien Hollywood lange die ganz normale Arbeit der Polizei zu sein, wie sie zum Beispiel in dem französischen Film „Polisse“ gezeigt wird, der diese Woche in den Kinos anläuft. Wenn schon, dann wird der „Cop“ meist als harter Außenseiter in „Dirty Harry“-Manier gezeigt, der mit ungewöhnlichen Methoden ermittelt und deshalb permanent im Clinch mit der (manchmal als korrupt) gezeigten Hierarchie liegt. Interessanter erschienen Hollywood aber lange Zeit Privatdetektive wie Sherlock Holmes oder Charlie Chan, die mit untrüglicher Spürnase auch noch den schwierigsten Fall aufklärten.

Hollywood tiefschwarz.

 Einen neuen, härteren und realistischeren Ton hatten in den 30er Jahren Autoren wie Raymond Chandler, Dashiell Hammett oder James Caine in die Gattung des Detektivromans gebracht. 1941 war es Hammetts Figur Sam Spade, die auf der Leinwand versuchte, Licht in das Geheimnis um den „Malteserfalken“ zu bringen und dabei auf allerlei dubiose Personen stieß. Der Zuschauer hatte Mühe, der Handlung zu folgen, aber die dichte Atmosphäre und das lakonische Spiel von Humphrey Bogart schufen einen Klassiker und begründeten ein neues Genre, für das die französische Kritik ein paar Jahre später den Ausdruck „Film noir“ fanden. 

Film Noir war eigentlich kein Genre, sondern eine Stilrichtung, von einem gesellschaftlichen Pessimismus geprägt, der den Geist der Kriegs- und Nachkriegsjahre einzufangen schien. Die Helden waren nunmehr zynische Detektive oder desorientierte und desillusionierte Loser, deren letzter Versuch, ihrem Schicksal zu entkommen, von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Wie etwa Burt Lancaster in der Hemingway-Verfilmung „The Killers“, der in einem tristen Hotelzimmer auf die Auftragsmörder wartet, die ihn erledigen sollen, während er in seiner Erinnerung die Ereignisse passieren lässt, die zu seiner jetzigen Situation geführt haben. An ihrem Verderben hatte oft eine Frau Schuld, die „femme fatale“, die den Protagonisten zu einem Verbrechen mit unwiderrufbaren Folgen verführt, wie etwa in Billy Wilders Meisterwerk „Double Indemnity“, wo ein Versicherungsvertreter dem zweifelhaften Charme einer Hausfrau erliegt, die sich mit seiner Hilfe ihres Ehemannes erledigen will, um die Versicherungsprämie zu kassieren.

 Die subjektive Erzählweise mit Rückblenden ist eine der Hauptingredienzien des Film Noir. Bildgestalterisch sind es vor allem die starken Hell-Dunkel-Kontraste, die an den expressionistischen Film der 20er-Jahre anknüpfen. „Toch of Evil“ (1958) von Orson Welles, in dem der Regisseur selbst einen schmierigen Polizisten spielt, der Beweise fälscht, um in seinen Augen Schuldige hinter Gitter zu bringen, wird oft als letzter Höhepunkt des Genres gewertet.
Doch im Neo-Noir-Film lebt der Geist von einst fort, und wieder liefern oft Kriminalromane das Ausgangsmaterial, wie zum Beispiel ein Roman von James Sallis für Nicholas Winding Refns in Cannes preisgekrönter Thriller „Drive“ (derzeit im Kino). Ein Film, der im Übrigen zeigt, dass der klassische Genrefilm durchaus noch eine Zukunft hat, wenn ein talentierter Regisseur ihm neue Impulse zu geben weiß.








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