Raymond Behms Reisebericht vom 14. Juli 2010
Es hätte der Höhepunkt seiner Reise werden sollen: Zusammen mit drei
weiteren Abenteuerlustigen aus Luxemburg wollte Raymond Behm mit neun
Kamelen in sieben Tagen einen Teil der Taklamakan-Wüste durchqueren –
und das auf eigene Faust, nur mit Hilfe von Kameltreibern und einem
Fremdenführer. „Es hat ein wenig gedauert, bis wir gemerkt haben, dass
wir zum Narren gehalten wurden“, sagt der enttäuschte Behm
rückblickend. Mittlerweile befindet sich die Gruppe bereits auf der
Fahrradetappe in Richtung Peking, und von der Wüste bekamen die vier
Reisenden im Endeffekt nur sehr wenig zu sehen.
Doch der Reihe nach. Das Abenteuer Wüste begann für die kleine Gruppe
im chinesischen Kashgar, der „geheimen Hauptstadt der Uiguren“. Vor
genau einem Jahr hatte die chinesische Regierung für große Aufregung in
der ohnehin von Krisen gebeutelten Region Xinjiang gesorgt, als sie
ankündigte, große Teile der Altstadt abreißen zu wollen. „Polizei und
Militär waren deshalb am Jahrestag dieser Aufstände sehr nervös“,
erklärt Raymond Behm, der diese Nervosität denn auch mehrmals zu spüren
bekam. „Wir mussten außerhalb der Stadt auf unsere Kamele und unseren
Reiseführer warten und hatten strikte Anweisungen, mit keinem Einwohner
zu sprechen. Als einer von uns ein Foto von einer verlassenen
Landstraße knipste, hatte die Polizei einen Grund gefunden, uns ins
Gefängnis zu werfen.“ Nachdem sie wieder frei gelassen worden waren,
standen die Spielregeln für die Ausländer fest: Nur nicht auffallen und
mit niemandem Kontakt aufnehmen.
Doch das Schlimmste war damit noch nicht überstanden. Schon nach dem
ersten Tag der Kamelreise dämmerte den Abenteuerlustigen, dass etwas
nicht stimmte. Keinen einzigen Kilometer hatte die Gruppe zurückgelegt,
es fehlten immer noch zwei Kamele. Der zweite Tag brachte den
Luxemburgern zwar ein wenig Bewegung, doch die Wanderung ging durch
Dörfer und über Felder. „Irgendwann trafen wir auf einen Mann, der uns
als eine Art Zuständiger für die Sicherheit in der Region vorgestellt
wurde. Er erzählte uns, dass es zu gefährlich sei, die Wüste zu
durchqueren. Später stellte sich heraus, dass der Mann der Reiseagentur
angehörte, die uns durch die Wüste geleiteten sollte!“, erzählt Behm,
der die Geschichte selbst nicht glauben würde, wenn er sie nicht am
eigenen Leib erlebt hätte. Am dritten Tag merkten die Reisenden, dass
man alles versuchte, um die Luxemburger von der Wüste fern zu halten.
Damit war klar, dass nur mehr eine Rückkehr nach Kashgar in Frage komme.
Dort angekommen, sahen sich die Luxemburger nach einer anderen Agentur
um, und wurden fündig. „Immerhin wurden wir am nächsten Tag direkt zur
Wüste gebracht“, so Behm. Mit fünf Kamelen, fünf Treibern und einem
Führer sollte es dann endlich losgehen. Doch: „Es stellte sich ganz
schnell heraus, dass unser Reiseführer nicht die geringste Ahnung von
einer Wüstendurchquerung hatte!“ Was sich ziemlich amüsant anhört,
hätte für die Gruppe allerdings schlimm enden können: „Wir machten den
Guide gleich am ersten Tag darauf aufmerksam, dass wir nicht genug
Wasser hätten. Er wehrte unsere Bedenken ab, doch als wir am zweiten
Tag selbst nachschauten, waren noch genau drei Liter übrig – für zehn
Personen! Natürlich kam auch dieses Mal nur die Rückreise in Frage.“
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Was die Reisenden im Endeffekt erhalten hatten, war ein kleiner
Vorgeschmack auf die Wüstendurchquerung. „Wir haben etwa hundert
Kilometer gemacht, also knapp ein Drittel von dem, was wir geplant
hatten. Allerdings weiß ich jetzt, dass die ganze Durchquerung sehr
hart geworden wäre. Davon abgesehen, dass wir die meiste Zeit zu Fuß
neben den Tieren gegangen sind, ist der Ritt auf einem Kamel äußerst
unbequem. Außerdem sind die Tiere sehr stur und spucken unentwegt“,
sagt Behm lachend. Seinen Humor hat er trotz dieses verpatzten
Abenteuers keineswegs verloren.
Mit dem Auto ging es dann nach Aksu, zum Start der Fahrrad-Etappe. „Die
Menschen hier sind viel entspannter und wir können uns mit den
Einheimischen unterhalten. Außerdem ist das Wetter schlecht, was uns
zugute kommt: die große Hitze ist bisher ausgeblieben“, sagt Behm
abschließend. Am 31. August will die kleine Gruppe Peking erreichen.