Raymond Behms Reisebericht vom 1. Juli 2010
Raymond Behm ist weiterhin gut drauf, klagt jedoch über akuten Schlafmangel. Derzeit ist er in Kashgar (China) und wird in Kürze aufs Kamel steigen, um die Wüste Taklamakan zu durchqueren. Aber der Reihe nach.
Zunächst war die Einreise nach Kirgisien doch nicht so einfach, wie er anfangs gedacht hatte. Schuld daran war vor allem sein Fahrzeug. Wieder das Auto! Diesmal war es keine Panne, die ihm Kopfzerbrechen bereitete, sondern die Tatsache, dass der Wagen auf seinen Einreisepapieren eingetragen war. Dies bedeutete, dass er ohne den Wagen nicht ausreisen durfte – ausgenommen er hätte ihn verkauft. Dafür wäre eine Importsteuer von 3000 Dollar fällig gewesen. Da er das Auto bekanntlich verschenken wollte, stellte sich ein größeres administratives Problem. Diesmal kam Behm nicht umhin, Bakschisch zu zahlen. Der anschließende Ritt mit dem Pferd durch Kirgisien ließ ihn diese Unannehmlichkeiten jedoch schnell vergessen.
"Es war mit Abstand das schönste Erlebnis bislang auf dieser Reise", sagt er voller Begeisterung. Raymond Behm ritt eine ganze Woche lang, bis zu elf Stunden täglich – unterwegs wäre ein Pferd fast verendet – aber die Schönheit dieser einsamen Landschaft sei derart überwältigend, dass sie sämtliche Strapazen in den Schatten gestellt habe.
An der chinesischen Grenze hatte Behm ein Erlebnis der besonderen Art. Als er im sieben Kilometer breiten Niemandsland zwischen Kirgisien und China stand und nicht wusste, wie es weitergehen sollte, fing es plötzlich an zu schneien! Behm war darauf nicht vorbereitet und hatte bereits Angst zu erfrieren, als eine Touristengruppe auftauchte. "Die haben mich dann einfach mitgenommen", erklärt er. Die Einreise nach China verlief anschließend ohne Zwischenfall.
"Die Chinesen sind vom Fahrrad aufs Elektromotorrad umgestiegen", resümiert Raymond Behm seinen ersten Eindruck in Kashgar. Nun wartet er auf seine Freunde, mit denen er die Reise durch die Wüste antreten wird. Die Karawane mit acht Kamelen wird eine Woche lang unterwegs sein. In vollkommener Einsamkeit. In der großen Sandwüste Chinas funktioniert kein Handy, die Kommunikation mit der Außenwelt ist quasi unmöglich. Behm und seine Freunde werden von zwei Kameltreibern und einem Übersetzer begleitet.
Wird er in der Stille meditieren? "Dazu bleibt mir keine Zeit", meint er. Meistens werde er wohl zu Fuß, neben den Kamelen, gehen müssen. "Aber meinen Walkman werde ich aus dem Rucksack hervorkramen". Bislang schlummert dieses Gerät noch ungenutzt im Gepäck.