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Raymond Behms Reisebericht vom 15. Juni 2010


“Ich habe überlebt, niemand hat mich umgebracht.” Wer die Reiseroute von Raymond Behm kennt, kann sich ungefähr vorstellen, über welches Land er da in seinem Internetblog berichtet: Iran. Hatte Behm vorher lediglich eine vage Vorstellung von dem, was ihn dort erwarten würde, so wurden doch all seine Erwartungen übertroffen.
Viele Iraner hatten ihn über Internet kontaktiert und zu sich eingeladen. Erlebt hat Behm in den paar Tagen im Iran demnach sehr viel, “vor allem sehr gastfreundliche und nette Menschen, die von der Regierung fast alles verboten bekommen, sich im Verborgenen aber sehr viele Freiheiten nehmen.”

Das wohl prägenste Erlebnis: “Ein junger Iraner wollte mich zu einer Party mitnehmen, einer verbotenen Feier. Das Ganze verlief wie bei einer Schnitzeljagd: Wir fuhren zu einem vereinbarten Treffpunkt. Dort gab man uns den nächsten Ort an, an dem wir erfuhren, wo wir als nächstes hingehen sollten und so weiter. Der Weg führte uns durch ein Labyrinth von Gärten und Gassen, bis wir endlich in einem Hof ankamen, an dem jemand uns mit einer Taschenlampe empfing. Wir hatten die Party endlich erreicht.”

Wenn Behm sich bisher auf seiner Reise nie in Gefahr gewähnt hat, so war ihm in diesem Moment doch etwas mulmig zumute. “Die Frauen waren nicht verschleiert, und wir tranken illegalen iranischen Alkohol. Wenn die Polizei uns erwischt hätte, wären wir im Gefängnis gelandet.” Ein anders Mal besuchte er ein verbotenes Konzert einer Sängerin, die gegeisselt worden wäre, wenn man sie erwischt hätte. Raymond Behm bewunderte den Mut der Menschen und genoss ihre Gastfreundlichkeit.

Dass es ein Land geben könnte, das seine Bevölkerung in einer noch kürzeren Leine hält, hätte sich Behm nicht träumen lassen, als er den Iran verliess. Doch die nächste Etappe seiner Reiseroute war Turkmenistan - ein Land, das sich nach aussen komplett abschottet.

“Hier ist alles und jeder zu hundert Prozent unter staatlicher Kontrolle”, erzählt Behm, der sich in diesem Land auch nicht ohne einen Reiseführer bewegen darf. 13 Zollbüros musste der Luxemburger passieren, bevor er Turkmenistan überhaupt betreten durfte.

“Turmkenistan ist ein Land, das von total grössenwahnsinnigen Diktatoren regiert wird. Und irgendwie scheint auch jeder für die Regierung zu arbeiten”, schätzt Behm. Beeindruckt ist er von der Bautätigkeit, die das Land derzeit beherrscht. “Hier wird eine neue Stadt errichtet, von Grund auf und alles nur vom Feinsten. Das ist Wahnsinn!”

Sorgen bereitet dem Reisenden derzeit sein Auto: der Stossdämpfer ist gebrochen und wird derzeit in einer Werkstatt repariert. Wie die Reise weiterverlaufen wird, ist zudem unklar, denn am 17. Juni läuft Behms Visa ab. “Dann muss ich das Land verlassen, da sind die Turkmenen nicht flexibel. Allerdings sind die Grenzen zu Usbekistan zu, weil Tausende Usbeken aus Kirgistan flüchten. Deswegen weiss ich überhaupt nicht, ob ich durch Usbekistan und Krigistan durch kann. Wahrscheinlich werde ich versuchen, mit dem Flugzeug von hier wegzukommen.”







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