“Ich habe überlebt, niemand hat mich umgebracht.” Wer die Reiseroute
von Raymond Behm kennt, kann sich ungefähr vorstellen, über welches
Land er da in seinem Internetblog berichtet: Iran.
Hatte Behm vorher lediglich eine vage Vorstellung von dem, was ihn dort
erwarten würde, so wurden doch all seine Erwartungen übertroffen.
Viele Iraner hatten ihn über Internet kontaktiert und zu sich
eingeladen. Erlebt hat Behm in den paar Tagen im Iran demnach sehr
viel, “vor allem sehr gastfreundliche und nette Menschen, die von der
Regierung fast alles verboten bekommen, sich im Verborgenen aber sehr
viele Freiheiten nehmen.”
Das wohl prägenste Erlebnis: “Ein
junger Iraner wollte mich zu einer Party mitnehmen, einer verbotenen
Feier. Das Ganze verlief wie bei einer Schnitzeljagd: Wir fuhren zu
einem vereinbarten Treffpunkt. Dort gab man uns den nächsten Ort an, an
dem wir erfuhren, wo wir als nächstes hingehen sollten und so weiter.
Der Weg führte uns durch ein Labyrinth von Gärten und Gassen, bis wir
endlich in einem Hof ankamen, an dem jemand uns mit einer Taschenlampe
empfing. Wir hatten die Party endlich erreicht.”
Wenn Behm
sich bisher auf seiner Reise nie in Gefahr gewähnt hat, so war ihm in
diesem Moment doch etwas mulmig zumute. “Die Frauen waren nicht
verschleiert, und wir tranken illegalen iranischen Alkohol. Wenn die
Polizei uns erwischt hätte, wären wir im Gefängnis gelandet.” Ein
anders Mal besuchte er ein verbotenes Konzert einer Sängerin, die
gegeisselt worden wäre, wenn man sie erwischt hätte. Raymond Behm
bewunderte den Mut der Menschen und genoss ihre Gastfreundlichkeit.
Dass es ein Land geben könnte, das seine Bevölkerung in einer noch
kürzeren Leine hält, hätte sich Behm nicht träumen lassen, als er den
Iran verliess. Doch die nächste Etappe seiner Reiseroute war Turkmenistan - ein Land, das sich nach aussen komplett abschottet.
“Hier ist alles und jeder zu hundert Prozent unter staatlicher
Kontrolle”, erzählt Behm, der sich in diesem Land auch nicht ohne einen
Reiseführer bewegen darf. 13 Zollbüros musste der Luxemburger
passieren, bevor er Turkmenistan überhaupt betreten durfte.
“Turmkenistan
ist ein Land, das von total grössenwahnsinnigen Diktatoren regiert
wird. Und irgendwie scheint auch jeder für die Regierung zu arbeiten”,
schätzt Behm. Beeindruckt ist er von der Bautätigkeit, die das Land
derzeit beherrscht. “Hier wird eine neue Stadt errichtet, von Grund auf
und alles nur vom Feinsten. Das ist Wahnsinn!”
Sorgen bereitet
dem Reisenden derzeit sein Auto: der Stossdämpfer ist gebrochen und
wird derzeit in einer Werkstatt repariert. Wie die Reise
weiterverlaufen wird, ist zudem unklar, denn am 17. Juni läuft Behms
Visa ab. “Dann muss ich das Land verlassen, da sind die Turkmenen nicht
flexibel. Allerdings sind die Grenzen zu Usbekistan zu, weil Tausende
Usbeken aus Kirgistan flüchten. Deswegen weiss ich überhaupt nicht, ob
ich durch Usbekistan und Krigistan durch kann. Wahrscheinlich werde ich
versuchen, mit dem Flugzeug von hier wegzukommen.”