Bisher sei alles nach Plan verlaufen, berichtet Behm, der sich derzeit
im Iran aufhält. Nur mit einem hatte er gleich zu Beginn der Reise
nicht gerechnet: „Es regnete ziemlich viel auf dem Weg von Luxemburg
nach Venedig. Nachdem ich ja mit dem Motorrad unterwegs war, musste ich
mir gleich am zweiten Tag wärmere Kleidung zulegen. Ansonsten war die
Fahrt das reinste Vergnügen.“ In Venedig wurde er von seiner Ehefrau
und von Freunden erwartet, die ihn auf der Schifffahrt nach Istanbul
begleiteten. Ab dann war Behm wie geplant mit seinem schon vorher dort
abgestellten VW Golf allein unterwegs.
Da sich der Abenteurer schon im Voraus viele Kontakte über Internet
aufgebaut hat, gab es bisher keine großen Probleme, Leute kennen zu
lernen. „In der türkischen Stadt Trabzon
bin ich zum Beispiel in einer Schule zu einer Englisch-Stunde
eingeladen worden. Aus dem Sprachenunterricht wurde dann zwar ein
Geografie-Kurs, denn ich habe den Kindern von meiner Reise erzählt.
Aber das Interesse war sehr groß“, erzählt Behm.
Im Kaukasus gab es für den Reisenden erste Probleme mit seiner Route.
„Ich musste über Georgien fahren, da die Grenze zwischen Aserbaidschan
und Armenien wegen Unruhen geschlossen war. Die Menschen sind alle sehr
freundlich und nett, nur scheinen sich die Völker hier untereinander
überhaupt nicht zu mögen.“
In Aserbaidschan hat Raymond Behm die ersten richtigen Cowboys in
seinem Leben gesehen. „So wie man sie aus der Zigaretten-Werbung
kennt!“ Beeindruckt hat ihn vor allem die Hauptstadt Baku. „Die ganze
Altstadt wird derzeit vom Staat restauriert. Es wird praktisch eine
ganz neue Stadt errichtet.“ Die Kehrseite in diesem Land: die
Korruption. „Ich hatte Kontakte zu Cargolux-Mitarbeitern in Baku.
Die haben mir geraten, einfach nie zu bezahlen, wenn ich auf Polizisten
treffe. Das ist natürlich leichter gesagt als getan“, erzählt Behm.
Zehn Mal wurde er von der aserbaidschanischen Polizei angehalten.
„Anfangs behaupteten die Beamten noch, ich sei zu schnell, oder über
die weiße Linie gefahren. Danach wurden die Gründe immer absurder.
Einmal sollte ich bezahlen, weil ich getönte Fenster habe. Irgendwann
habe ich dann tatsächlich angefangen zu diskutieren und mich zu
weigern, Geld hinzublättern. Das hat tatsächlich geklappt. Der Beamte
wollte dann zwar meine Brille haben, aber nach einer weiteren
Diskussion war auch dieses Thema vom Tisch.“
Am meisten hat den Abenteurer bisher Armenien
beeindruckt. „Es ist ein kolossal schönes Land. Man fühlt sich in einer
anderen Welt, wenn man ins Land hinein kommt. Die Landschaft erinnert
an die Schweiz und die Menschen sind ein unglaublich stolzes Land. Ich
habe mich hier gleich sehr wohl gefühlt, vielleicht weil es ein
christliches Land ist. Jedenfalls ist es ganz anders als seine
Nachbarländer. Und haben Sie gewusst, dass die Sängerin Cher Armenierin
ist? Ich nicht.“
In einem weniger guten Zustand befindet sich mittlerweile das Auto des
Reisenden: Auf den schlechten Straßen zwischen Georgien und Armenien
hat es einige Schäden erlitten. Doch bisher hat es sich als
zuverlässigen Weggefährten erwiesen, der Behm immerhin bereits bis nach
Teheran gebracht hat. Doch über die Erlebnisse in Iran erzählt er erst,
wenn er das Land wieder verlassen hat…