Der Olympia-Blog: 1. März 2010
Finale!Geschafft! Die Olympischen Spiele sind zu Ende und mit ihnen ein riesiger Kraftakt. Auf alles wollten sich die Planer vorbereiten und wurden am Ende doch ins kalte Wasser geschubst.
Gleich zu Beginn der erste große Schock: ein georgischer Athlet verunglückt tödlich und das „Höher, Schneller, Weiter“ wird für zwei Tage in Frage gestellt. Sind die Verantwortlichen mit der sogenannten schnellsten Bobbahn der Welt übers Ziel hinausgeschossen?
Die ersten Tage standen generell im Zeichen der Kritik. Protestmärsche, eingeschlagene Fensterscheiben und ein alternatives „Olympisches Zeltdorf“, um auf die Situation der Obdachlosen aufmerksam zu machen. Irgendwie konnte man in Vancouver damit rechnen und hatte deshalb vorsorglich Polizisten aus dem ganzen Land angekarrt. Untergebracht auf drei Luxuskreuzern ließen die es sich dann auch so richtig gut gehen. „Zu stark gefeiert“ hieß das Urteil für zwei Gesetzeshüter, von denen ich gehört habe. Gerüchten zufolge mussten sie sofort die Heimreise antreten.
Widerspenstig zeigte sich auch das Wetter. Statt Schnee fiel Regen und zahlreiche Zuschauertickets auf Cypress Mountain mussten kurzfristig storniert werden. Zu groß war die Gefahr abrutschender Erdmassen. Für die britische Presse stand bereits nach wenigen Tagen fest, dass man es mit den schlimmsten Spielen aller Zeiten zu tun hatte. Doch die Stimmungslage schlug um.
Was mit Zweifeln und zahlreichen Befürchtungen begann, wurde zur größten Party, die die Stadt je gesehen hat. Auch abseits der sportlichen Wettkämpfe gab es immer und überall etwas zu erleben. Das Tolle daran: nicht alles war geplant. Neben einem nur scheinbar spontanen Tanz-Flashmob und zahlreichen anderen Freudentänzen, darf auch der Chor der Hymnensinger nicht vergessen werden, mit seinem täglich und stündlich wechselnden Ensemble.
Das absolute Highlight jedoch konnte ich vor wenigen Minuten hautnah miterleben. In dem Coffeeshop um die Ecke starrten alle gespannt auf den Fernsehbildschirm. Das Finale im Eishockey der Männer: Kanada gegen die USA. Die Spannung war spürbar und als das erste Tor fiel, konnten die sonst so zivilisierten Kanadier nicht mehr an sich halten. Eine ältere Frau neben mir schrie am lautesten und musste nicht viel tun, um die anderen mitzureißen. Unerträglich, als den USA nur eine Minute vor Schluss der Ausgleich zum 2:2 gelang. Spannender ging es nicht. Die Verlängerung brachte endlich das entscheidende Tor und seitdem kann ich kaum noch etwas hören. Auf den Straßen: Hupkonzerte, kanadische Flaggen und fröhliche Menschenmassen.
Und so viel Freude mir die Berichterstattung aus Vancouver auch gemacht hat, an dieser Stelle muss ich mich jetzt wirklich aus der verrückt gewordenen Stadt an der kanadischen Westküste verabschieden. Die Party hat ihren Höhepunkt erreicht und da kann ich einfach nicht fehlen.
Das Fazit? Die Olympischen Spiele gehen laut, bunt und erfolgreich zu Ende. Tolle Menschen, tolle Atmosphäre! Danke für viele schöne Erinnerungen!