... es den „Roude Pëtz“ gibt

| Mitte des 18. Jahrhunderts, als Luxemburg unter österreichischer
Herrschaft stand, schenkte Kaiserin Maria Theresia ihren Untertanen in
der Festungsstadt Luxemburg einen Brunnen zur Wasserversorgung. Er
wurde an jenem Ort, der heute den Namen „Roude Pëtz“ trägt, in den
Felsen gesprengt. Seinen Namen verdankte er dem rot gestrichenen Mauerwerk, das ihn
überdeckte.
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Im Innern des Turms befand sich ein großes hölzernes
Tretrad, das mit einem Wellbaum verbunden war, über den ein dickes
Hanfseil lief. An dessen beiden Enden waren Eichenfässer befestigt, die jedes 108 Liter Wasser fassen konnten. Alle zehn Minuten wurde ein solches Fass aus 64 Metern Tiefe nach oben befördert. Und zwar mit Menschenkraft. Denn das kaiserliche Geschenk war zugleich eine Strafe für Soldaten, die sich eines Vergehens schuldig gemacht hatten. Jeweils zwei oder drei von ihnen wurden zum Wassertreten abkommandiert. Sie mussten in dem großen Tretrad immer vorwärts marschieren, um den Wellbaum zu bewegen. Eine Verschnaufpause gab es nur dann, wenn der Brunnenmeister das nach oben beförderte Fass entleerte. Heute tummeln sich Wil Lofys „Hämmelsmarsch“-Gestalten an jenem Ort, an dem einst auf kaiserlichen Beschluss Wasser und Schweiß flossen.
Anne Schmit