... wir die „Flemm“ haben

| Um 400 v. Chr. entwickelte der Grieche Hippokrates eine Theorie über die so genannten Körpersäfte. Da menschliche Körper nicht geöffnet werden durften, mussten Gelehrte anhand der Körpersekrete Rückschlüsse auf das Innere des Menschen ziehen. Claudius Galenus stellte, basierend auf Hippokrates Annahmen, im zweiten Jahrhundert nach Christus die Lehre der vier Säfte auf.
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Demzufolge harmonieren vier Flüssigkeiten im menschlichen Körper, die das Leben ermöglichen. Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle. Gerät eine dieser
Flüssigkeiten aus dem Gleichgewicht, so wirkt sich dieser Vorgang
direkt auf das Wohlbefinden aus. So die Annahme. Beispielsweise wurde dem Alkohol nachgesagt, er erhöhe
die Blutkonzentration im Körper. Dadurch kommt es zu Schwindelgefühlen
und roten Wangen. Eine zu hohe Dosis Schleim hingegen lässt uns träge
und lustlos werden. Traurigen Menschen sprachen die Mediziner zu viel
schwarze Galle zu. Claudius Galenus wählte die griechischen Begriffe
für die Säfte. Übersetzt heißen Blut, Schleim, gelbe und schwarze
Galle: „sanguis“, „phlegma“, „chole“ und „melaina chole“. Darauf sind
die heutigen Begriffe wie sanguinisch, phlegmatisch, cholerisch und
melancholisch zurückzuführen. Im altenglischen Sprachgebrauch wurde
„phlegma“ zu „phlem“. In Luxemburg, wie auch bei unseren
moselfränkischen Nachbarn im Saarland dann schließlich zu „flemm“. Wer
heute sagt „ech hun d’flemm“, wird wohl kaum damit zum Ausdruck bringen
wollen, dass er zuviel Schleim im Körper hat. Genau das war aber früher
gemeint.
Matthias Probst