Seit 1991 wird in Luxemburg Crémant hergestellt. Zu den Pionieren gehören die Domaines de Vinsmoselle, deren hervorragende Marketingarbeit aus dem Produkt einen Bestseller und die hauseigene Marke Poll-Fabaire zum Zugpferd gemacht hat. Zusammen mit dem Wormeldinger Crémant-Kellermeister Guido Sonntag und dem technischen Direktor der Vinsmoselle Bernd Karl verkostete Télécran vor kurzem zahlreiche Cuvées, von denen die meisten jetzt im Handel sind.
Bei den Brut-Cuvées spielt die Kennzeichnung der „Marque nationale“-Kontrollnummern eine wichtige Rolle. Denn die Domaines de Vinsmoselle produzieren laufend neue Cuvées, die nach und nach auf den Markt kommen und je nach Assemblage (Sorten und Jahrgänge) unterschiedlich schmecken. Die derzeit kommerzialisierte Cuvée Brut L-50776 hat Aromen nach Haselnuss, Nougat und Mirabelle, sie ist cremig, voluminös und hat eine gute Säure. Ganz toll, spritzig und frisch, floral, ausgeglichen und elegant ist die Cuvée L-50753, die im Oktober von der Télécran-Jury als bester von mehr als 25 Crémants bewertet hat – sie wird Anfang 2010 auf den Markt kommen. Derzeit erhältlich ist auch die Cuvée L-50622 (Goldmedaille beim „Mondial“ 2009), die länger auf der Hefe lag, ein „breiter“, nach Datteln und gebratenen Äpfeln schmeckender Crémant für das breite Publikum.
An Kenner richtet sich die Cuvée Riesling (L-50713), die 2009 beim Crémant-Wettbewerb in Bordeaux Gold errang: sehr würzig (2007er Weine!), rein und kernig, spritzig, mit langem mineralischen Abgang. Die Cuvée Chardonnay (L-50632; Goldmedaille in Limoux und drei Sterne im Guide Hachette) schmeckt nach Loukoum, sie hat Schmelz und viel Volumen und gefällt dem Publikum – mit etwas weniger Likör aber könnte die Cuvée komplexer ausfallen… Mal sehen, ob einmal eine „trockenere“ Chardonnay-Cuvée produziert wird!
Sehr weinig ist die Cuvée Pinot blanc (L-50601) aus Trauben des Jahrgangs 2007: ohne malolaktische Gärung hergestellt, eine spritzige Cuvée mit Noten von Mandarine und Grapefruit, sehr lang, macht Spaß! Die neue Cuvée Shanghai 2010, eine Assemblage aus vier Rebsorten, passt tatsächlich zu chinesischen Gerichten mit ihrem soften Himbeere- und Honigmelone-Touch, sie trinkt sich sehr gut, wie auch die Cuvée Shanghai 2010 Pinot noir, der Rosé-Variante mit Aromen nach Johannisbeere, Sauerkirsche und Erdbeere, mit dezenten Tanninen, alles wohldosiert. Ganz anders die Cuvée Pinot noir L-50761 (Gold in Bordeaux), die aus dem Jahrgang 2006 stammt: ein gastronomischer Rosé mit Kirschengeschmack und viel Schmelz, gut gemacht. Der Pinot noir Spirit of Schengen (L-50634), auch aus 06er Trauben hergestellt, ist gefällig und passt sowohl zum Fleisch als zu einem Rotfruchtdessert. Das „weiße“ Pendant, die Cuvée Spirit of Schengen (L-50311, Gold in Ljubljana und „Coup de coeur“ im aktuellen „Guide Hachette“), ist ein Klassiker: der mit Trauben aus dem Jahrgang 2004 hergestellte Crémant ist voluminös, cremig und gleichzeitig weinig; ein reifer, toller Riesling-Crémant mit schöner Säure, sehr strukturiert.
Ein besonders guter Crémant ist auch die Cuvée millésimée 2005, die Gold in Limoux erhielt, ein gelungener Kompromiss zwischen komplexer Weinigkeit und kommerziellen Ansprüchen: die lange Hefelagerung hat diesem floralen, fruchtigen und auch kernigen Crémant sehr gut getan, er bleibt prickelnd bis zum Schluss. Die aktuelle Top-Cuvée Cult Brut (07-er Weine) wirkt frischer als einige frühere Cuvées, verspielt und tief – und sie „fragt nach“! cf